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E-Autos als Stromspeicher: Können Tesla Model 3 & Model Y bidirektionales Laden?

Im Rahmen der Energiewende ist das Speichern von Ökostrom ein wesentlicher Erfolgsfaktor: An manchen Tagen wird mehr Strom produziert, als benötigt wird. An anderen Tagen ist es genau umgekehrt. Dabei gilt es, die Verluste beim Speichern und Wiederabrufen der Energie so gering wie möglich zu halten. Die Idee: Warum nicht die stehenden und als Stromnetz angeschlossenen Elektroautos als mobile Stromspeicher nutzen? Anfang der Woche stand das Gerücht im Raum, das Tesla Model 3 und Model Y seien für ein solches bidirektionales Laden ausgelegt. Was ist dran?

Was ist bidirektionales Laden?

Bidirektional steht für die Eigenschaft, Signale in beide Richtungen übertragen zu können. Beim bidirektionalen Laden wird Strom entsprechend nicht nur aus dem Stromnetz in den Akku Deines Elektrofahrzeugs hineingeladen. Dein Elektroauto kann Strom aus dem Akku auch wieder ins Stromnetz abgeben.

Diese Technologie wird auch Vehicle-To-Grid genannt, kurz V2G.

Alle E-Autos besitzen einen DC/AC-Wechselrichter. Dieser wandelt den Wechselstrom (AC, Alternating Current) aus dem Stromnetz in Gleichstrom (DC, Direct Current) um. Wenn das Ganze auch in umgekehrter Richtung geschehen kann, also Gleichstrom aus dem Akku in Wechselstrom für das Stromnetz umgewandelt werden kann, spricht man von V2G.

Wozu V2G?

Viele nachhaltige Energiequellen wie Wind- und Solarenergie liefern mitunter mehr Energie, als benötigt wird. Zu anderen Zeiten wiederum wird mehr Energie benötigt, als die erneuerbaren Energieträger liefern. Heute werden solche Lastspitzen durch weniger nachhaltige Energien wie Kohle und Atomstrom ausgeglichen. Für die konsequente Nutzung von Ökostrom ist es erforderlich, Strom aus Überproduktion speichern und zu anderen Zeitpunkten wieder abrufen zu können.

Eine ganze Reihe von Projekten beschäftigen sich mit diesem Thema: Vattenfall beispielsweise versucht mit einem Salzspeicher, Strom in speziellen Salzkristallen zu speichern. Andere Unternehmen arbeiten an Lösungen zur Speicherung von Strom in Pressluftbatterien. Das Fraunhofer-Institut testet darüber hinaus Stromspeicher im Bodensee. Aber auch „klassische“ Akkus kommen zum Einsatz, um Strom zu speichern: Beispielsweise kannst Du mit der Tesla Powerwall überschüssigen Strom aus Deiner heimischen Solaranlage speichern.

Bidirektionales Laden führt genau diesen Gedanken fort: Es gibt hierzulande immer mehr Elektroautos. Diese hängen häufig am Stromnetz, sind vollgeladen und werden nicht bewegt. Warum also nicht diese mit dem Stromnetz verbundenen mobilen Akkus nutzen, um Strom zwischenzuspeichern und bei Lastspitzen wieder ins Stromnetz abzugeben?

Kann das Tesla Model 3 V2G?

Schon 2018 führte das Unternehmen Enervie aus Hagen mit mehreren Nissan Leaf einen Versuch zum bidirektionalen Laden durch.

Zwei Jahre später berichtet nun Electrek mit Verweis auf den Ingenieur Marco Gaxiola, Tesla habe still und heimlich bidirektionales Laden (V2G) in die Model 3 und Model Y integriert. Die hierfür erforderliche Technik sei sogar dreifach auf der Platine ausgelegt. Damit könne auch bei einem Ausfall weiterhin bidirektionales Laden durchführen zu können. Ein Drei-Phasen-Design stellt sicher, dass die V2G-Technik weltweit eingesetzt werden kann.

Electrek geht davon aus, dass die Funktion von Tesla in einem späteren Software-Update freigeschaltet werden kann. Derzeit ist sie noch nicht verfügbar.

Allerdings: Sowohl Tesla-CEO Elon Musk als auch der Mitgründer und frühere CTO JB Straubel haben in der Vergangenheit Zweifel geäußert, dass die V2G-Technologie erfolgreich sein könne. Der Grund: Das permanente Laden und Entladen der Akkus führe zu schnellerer Degeneration der Batterien – die Akkus altern also schneller und erreichen nicht mehr ihre maximale Kapazität. Zudem möchtest Du als Besitzer und Nutzer Deines Fahrzeugs dieses nutzen können, wenn Du es benötigst. Und dann nicht mit fast leerem Akku da stehen.

Ingineerix hat sich der Analyse von Marco Gaxiola daraufhin nochmal angenommen. Dabei fanden sie heraus: Die Ladeplatinen von Teslas Model 3 und Model Y beherrschen bidirektionales Laden bisher nicht. Ingenieur Marco Gaxiola hat in einem Kommentar unter dem YouTube-Video eingestanden, bei seiner Analyse einen Fehler begangen zu haben.

Kommentar unter dem YouTube-Video von Ingineerix.

Ausblick

Das Tesla Model 3 und das Tesla Model Y beherrschen bidirektionales Laden (V2G) Stand heute also nicht. Ob und wann diese Technologie ergänzt wird, bleibt fraglich. Aufgrund der skeptischen Haltung von Elon Musk gehe ich nicht davon aus, dass V2G in den nächsten Jahren in Teslas integriert wird.

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